»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

01.12.2012

Der Weg ist das Ziel - Die mathematische Idee zählt

„Ein richtiges Ergebnis heißt nicht gleich, dass das Kind Mathe kann. Bitte bekommen Sie jetzt keine Angst! Dieser Artikel soll keine Panikmache sein und Ihnen vermitteln, dass Sie sich jetzt auch noch um korrekt gelöste Matheaufgaben Ihres Kindes sorgen sollen. Vielmehr möchte ich an dieser Stelle den Platz für eine andere Sichtweise schaffen, nämlich nicht diese, die in so vielen Schulen vertreten wird: „Das Kind muss nur zu dem richtigen Ergebnis kommen, dann kann es auch Mathe!“ Dieser große Riese „Mathe“. Wie groß ist doch manchmal die Gefahr, die von ihm auszugehen scheint. Und gebannt scheint sie in den meisten Fällen dadurch, dass die Schüler zu der Lösung kommen, die auch im Lösungsbuch vorgegeben ist. „Puhh, er kann es ja doch!“ – Ja, aber wie ist das Kind denn zu dieser Lösung gekommen? Welche Strategien hat es angewendet? – Hat es auswendig gelernt? Hat es sich die Aufgabe mit Mengen (Plättchen, Muggelsteinen) visualisiert? – Hat es den Abakus zur Hilfe genommen oder das Malkreuz? – Oder hat es doch nur vom Nachbarn abgeschaut?

Sie merken: Viele Wege führen zum richtigen Ergebnis! An keinem dieser Wege ist etwas auszusetzen, denn auch das Abgucken mag uns hin und wieder voran bringen. Die große Frage dahinter ist nur: „Nutzt das Kind die oben genannten Strategien zur „RECHENerleichterung“ oder nutzt es diese Strategien, um sein fehlendes MATHEMATISCHES Verständnis zu überdecken? Beim zweiten Fall wird diese Idee vom mathematischen Arbeiten über kurz oder lang zum riesen Problem. Denn obwohl das Ergebnis einer Aufgabe richtig ist, besitzt das Kind dahinter keine ausreichenden, mathematischen Fertigkeiten, um ab der 5. Klasse weiterhin sicher im Fach Mathematik zu bestehen. Denn wir wissen es alle selber: „Irgendwann ist Schluss mit Auswendiglernen! Irgendwann wird es zu viel und der Stoff schreitet zu schnell voran, sodass auch die besten Strategien ihre Grenzen aufzeigen!“ Darum möchte ich Ihnen Mut machen, mit Ihrem Kind hin und wieder in den Dialog zu treten und es zu fragen: „Woher weißt du das eigentlich, dass das so ist?“, „Ist das immer so?“, „Wann ist das mal anders?“ Damit können Sie nicht nur ein bisschen mehr hinter das Ergebnis einer Aufgabe gucken, sondern Sie provozieren Ihr Kind auf sie sanfte Art und Weise über Matheaufgaben nachzudenken.

Denn letztendlich kommt es nicht nur aufs Ergebnis an!

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