»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

06.01.2013

Arbeiten mit Leidenschaft

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einer um ihre Tochter besorgten Mutter.

Die Tochter litt schon seit längerem unter dem Druck, den sie seit einiger Zeit vor allem in der Schule begleitete. Trotzdem (und ich finde das immer wieder so bemerkenswert, dass ich es nochmal herausheben möchte) hat es Luisa mit dieser Situation geschafft, bis in die 10. Klasse auf dem Gymnasium zu kommen und das auch noch mit durchschnittlich guten Noten, die keinesfalls eine Versetzung gefährdeten. UND trotzdem geht Luisa mittlerweile nicht mehr gerne zur Schule und hat auch überhaupt keine Ahnung, was sie gerne machen möchte.

Was ich erst vor kurzem erfahren habe: Luisa hatte durchaus eine Idee, was sie später machen möchte. Später erzählte sie mir, dass sie sich vorstellen könnte „Maskenbildnerin“ zu werden. Das hatte sie sich so überlegt. Nachdem es in der Schule darum ging, sich um Praktika zu kümmern und sich zu informieren, was das Berufsleben bereit hält, hat Luisa ihr Vorhaben im Klassengespräch erläutert. Ihre Klassenkameraden reagierten wohl durchaus neutral oder sogar positiv. Leider, und das ist der Punkt, nahm Luisas Lehrer sie am Ende der Stunde zur Seite und sagte platt: „Luisa, ist ja schön und gut, was du dir da überlegt hast. Nur sind wir mal ehrlich, deine Leistungen reichen dafür bei weitem nicht aus und Zukunft hat der Beruf auch nicht!“ Diese zwei Sätze reichten aus, um Träume im Keim zu ersticken. Ich bin mir sicher, dass es für die Berufswahl des Maskenbildners Pro- und Kontraargumente gibt. Was ich einfach nicht fassen kann, ist, dass man jegliche Eigenmotivation, die wir uns doch so wünschen bei heranwachsenden Jugendlichen, so unsanft erstickt.

Was soll man Luisa sagen? „Dein Lehrer hat einfach keine Ahnung?“ – Wahrscheinlich nicht, denn im Grunde genommen kann jeder Mensch, der mal gerade schlecht drauf ist, so ein Statement bringen. Ich glaube die einzige Möglichkeit ist, unsere Kinder immer wieder zu bestärken und sie so selbstsicher zu machen, dass sie sich trauen und sogar als selbstverständlich erachten, dass sie als Ziel vor Augen haben, das zu machen, was zu ihrem Talent passt. Ich möchte wirklich nochmal betonen: Was wir brauchen, ist mehr Mut zu unserem Talent! Wieso soll jeder Hotelfachmann oder Bürofachangestellter werden, nur weil man damit einen vermeintlich sicheren Job für die Zukunft hat. Wie lange arbeiten wir in unserem Beruf? Mittlerweile doch mehr als 40 Jahre. Und für diese 40 Jahre wünsche ich jedem Menschen und vor allem unseren Kindern einen Beruf, den sie mit Leidenschaft und Liebe ausüben können.

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