»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

01.02.2013

„Was willst du für dein Ziel geben?“

Vor ca. 3 Jahren hatte ich ein Gespräch mit einer Mutter, deren Kind damals in der Lernförderung bei mir war. Sie war der felsenfesten Überzeugung, dass ihr Sohn einfach nicht verstehen würde, dass Schule KEINEN SPAß zu machen hat, sondern pure Anstrengung bedeutet. Wenn er das verinnerlicht hätte, wäre laut Aussage dieser Mutter für den Jungen die Schule auch nicht mehr ganz so schwer. Zu diesem Zeitpunkt war ich zutiefst entsetzt über diese Äußerung - und ja, ich bin es auch heute noch.

Die Sichtweise dieser Frau ist wirklich negativ und verbietet jegliche Freude und Motivation am Lernen. Und doch kann ich mittlerweile auch ein bisschen nachvollziehen, was sich hinter dieser Äußerung verbirgt. Es gibt immer mehr Menschen (und damit meine ich nicht nur Kinder, wir Erwachsenen sind da häufig nicht anders!), die sich keine Gedanken darüber machen, dass es gilt sich anzustrengen, wenn man sein Ziel erreichen möchte. Ja Lernen soll Spaß machen, nur darf man nicht vergessen, dass es auch Hürden zu überwinden gibt, die nicht immer nur Freude bereiten.

Jeder kennt das. Beispielsweise wünscht man sich, endlich mit mehr Spaß zu kochen. Das Ziel heißt also „Ich koche mit Freude für mich.“ Das Ziel steht ganz oben und motiviert und begeistert mich im besten Fall so sehr, dass ich auch die Hürden mehr oder weniger leicht überwinden kann. Es ist also auch - und vielleicht auch vor allem - eine Frage der Motivation, wie ich lerne und mit welchem Erfolg. Stellen Sie sich jetzt Sabrina aus der 3. Klasse vor, die sich sehr bemüht, in den Diktaten alles richtig zu schreiben, weil Mama dann auch viel glücklicher ist. Nur bei den meisten Kindern reicht diese Motivation („Mama freut sich dann.“) nicht aus. Diese Art der Motivation ist wenig tragfähig und richtet sich immer nach Menschen, die im Umfeld sind, und nicht nach dem Kind selber. Sabrina muss also selber die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, richtig und gut zu schreiben.

Die Frage ist also: „Wie macht man Sabrina das Ziel „Ich schreibe richtig.“ schmackhaft?“. Mein Tipp ist, das Thema „Schreiben“ mal ganz von der Schule abzulösen und Kinder mal dafür zu begeistern, einen Brief oder Postkarte an die Oma zu schreiben oder den Einkaufszettel, mit dem es dann selbst losläuft, oder die Einladungskarten zum Geburtstag alleine zu verfassen. Und noch etwas: Es ist viel leichter, wenn man genau mit diesen Ideen anfängt, wenn das Kind noch nicht mit dem Thema Rechtschreibung auf Kriegsfuß steht. Demotivation in Motivation zu verwandeln ist nämlich viel schwerer, als eigene Erfahrungen von vornherein als Motivation zu nutzen. Ich möchte Ihnen also Mut machen sich zu fragen: „Was bin ich eigentlich bereit für mein Ziel zu geben?“. Wenn Sie nicht anfangen den Weg zu gehen, dann wird Sie noch irgendwas festhalten oder Ihr Ziel noch nicht die Motivation und Energie ausstrahlen, die es braucht, um den Weg weiterzugehen. Machen Sie Ihr Ziel attraktiv!

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