»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

07.04.2012

„Wo liegt da der Sinn, Mama?“

Wie oft haben Sie als Eltern diese Frage schon gehört? Genauso gut kann statt der Mama auch Papa, Oma, Opa, die große Schwester oder Bruder empört angeguckt werden, wenn Tobi mal wieder nicht versteht, warum er Dinge, die ihm aufgetragen werden, besser machen sollte. Er würde seine Energie doch gerade viel lieber fürs Fussballspielen aufwenden.

Dabei geht diese Frage weit tiefer als über die Diskussion, ob die Brotbox aus der Schule direkt nach dem Eintreffen zuhause oder doch erst am nächsten Morgen in die Küche gebracht wird. Nicht nur im Kleinkindalter sind Kinder neugierig, suchen nach dem Sinn und erbitten eine Erklärung von den „Großen“. „WAS sind die silbernen Dinger da?“, „WIE soll ich mit Gabel und Messer essen?“, „WARUM soll ich eigentlich mit Gabel und Messer essen?“ - Schwer ist es dem Kind zu erklären, dass es hierbei vor allem um gesellschaftliche Standards geht. - „Was ist die Gesellschaft, Mama?“ - Und wieder haben Sie etwas zu erklären. Fragen des Sinns sollten vielmehr auf der Ebene des Kindes transportiert und auch dort erklärt werden. Versteht Tobi beispielsweise, dass es sich für ihn lohnt, seine Hefte, Mappen und Bücher geordnet zu haben, um Zeit zu sparen, die er dann beispielsweise für das Spielen mit Freunden nutzen kann, ist dem Wirrwarr der Erklärungen vorerst ein Punkt gesetzt. Man sollte es den Kindern damit schmackhaft machen und ihnen die Möglichkeit geben, es in ihrem (kleinen) Kosmos zu verstehen.

„Das notwendige Übel hat einen Sinn, wenn man dadurch viel Zeit für etwas Schönes hat.“

Der Schlüssel liegt darin, diese Kommunikationsebene mit dem Kind zu finden, bevor sich die Situation emotional auflädt und sich die Fronten verhärten. Das gelingt bei Weitem nicht in allen Situationen. Das wissen auch die besten Eltern. Diese Haltung ihrem Kind gegenüber erfordert eine Menge Geduld, Verständnis und Vertrauen. Um Sie dahingehend zu kräftigen, möchte ich allen Eltern einen Grundgedanken mit auf dem Weg geben: Verstehen Kinder in einem einzelnen Themenbereich, wo der Sinn steckt, kann sich das auch auf andere Themenbereiche ausdehnen und Kinder verstehen und akzeptieren zusehend mehr. So können sich Fragen nach dem Sinn von Rechtschreibregeln oder einer leserlichen Handschrift nach der Zeit klären, wenn Tobi erfährt, dass er den Brief von seinem Freund Paul viel besser lesen kann, wenn auch der sich bemüht, ordentlich zu schreiben.

Kinder ERFAHREN den Sinn und lernen daraus.

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