»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

10.01.2016

Ich und Du

Puh, ich liege im Bett... bekomme kein Auge zu. Irgendein komisches Gefühl im Bauch macht mich unruhig. Heute Morgen fiel mein Blick auf einen Artikel, einer wahrscheinlich bekannten Kindertherapeutin. Weil ich beim „Nur mal eben Durchscrollen“ in bekannten sozialen Netzwerken sowieso schnell überfordert bin, habe ich auch nur die Überschrift des Artikels gelesen. Dieser wirkt nun also nach und hat mich ins Bett begleitet. Er wühlt mich auf, irgendwas in mir rebelliert, ist traurig und ja, auch verunsichert!

„Kinderbedürfnisse müssen befriedigt werden! - Kinder brauchen in den ersten Jahren immer das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse zeitnah befriedigt werden.“ ... Mein Herz schreit „Ja, ja klar will ich das. Ich liebe mein Kind. Meinem Kind soll es gut gehen.“ Und dann, dann kommt das ABER dazu. „Wo bleibe ich denn dann? Bin ich dann nicht nur der, der ständig im Außen ist. Der, der ständig versucht zu raten, zu hoffen, dass das, was ich tue, mein Kind endlich zufrieden stellt?“ Ich verliere mich dann doch selbst. Ich spüre mich nicht mehr. Was sind meine Bedürfnisse? - Ich weiß es doch gar nicht mehr! Und das alles, weil jemand, der es vermeidlich mehr über Kinder - und vor allem MEIN Kind - weiß, als ich.

Ich schüttel immer noch mit dem Kopf. Ich will es einfach nicht verstehen. Meint diese „Fachfrau“, dass Mütter von Kindern egal welchen Alters es brauchen, dass ihnen gesagt wird, was sie zu tun und zu lassen haben, damit ihre Kinder sie lieben und aus ihnen „etwas“ wird. Oder sind es die Mütter selber, die sich selber so wenig zu vertrauen scheinen, es schon so verloren haben, sich selber zu spüren, dass sie sich nur davon abhängig machen, was „Fachleute“ sagen. Wie viele „Kinderfachbücher und Erziehungsratgeber“ werden verkauft. Puh... Sicherlich gibt es Situationen, in denen auch das intuitive Wissen einer liebenden Mutter an ihre Grenzen kommt. Nur geben wir nicht ein großes Stück unserer Weiblichkeit und unseres Mutterseins ab, wenn wir dann sofort den Ratgeber aus dem Bücherregal ziehen und nach der RICHTIGEN Lösung suchen!? Für mich fühlt es sich so an.

Ich möchte wirklich allen liebenden Mütter Dank aussprechen, die nie den Mut aufgeben, sich selber zu fragen, sich zu vertrauen - auch, wenn sie es manchmal verlieren und dann nie die Hoffnung verlieren es wieder zu finden -, die Suche nach der Antwort in sich nicht aufgeben. Für mich ist das die tiefe Aufgabe des Mutterseins. Sich selber zu spüren und sich selber genauso zu lieben, wie sein Kind. Das ist was in meinen Augen eine starke, authentische und liebende Mutter ausmacht und ich wünsche jeder Mutter dieses Gefühl so oft wie möglich spüren zu können.

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