»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

04.01.2020

Zeit nehmen

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, nicht nur seitdem ich selber Mama von zwei wunderbaren Töchtern bin, ist die Eigenpflege: Die Zeit, die Qualität, die wir uns schenken als Eltern. Damit meine ich nicht nur die Mütter, auch die Väter, die sich aufopfern für ihre Kinder, in Problemsituationen immer für ihre Kinder da sind und ein offenes Ohr haben, nach Lösungsideen und neuen Wegen zu suchen. Und wenn es nötig wird, auch gerne rund um die Uhr überlegen und abwägen welcher Therapeut der Richtige sein wird, ob ein Nachteilsausgleich in der Schule doch den Druck rausnehmen könnte, das Wiederholen der Klasse doch eine Erlösung sein könnte. Es muss ja einen Weg heraus geben aus dieser Situation, die als so belastend empfunden wird.

Da wird am gemeinsamen (Feier-)abend unter beiden Elternteilen darüber geredet, manchmal vielleicht sogar gestritten oder diskutiert. - Warum geht es unserm Kind so? Seit wann fällt es ihr in Mathe so schwer? Irgendwie war doch mal alles besser, oder? Und manchmal versteht sie es doch! Wieso bleibt es nicht in ihrem Kopf? Es dreht sich, man überlegt und wägt ab. Und ganz unbemerkt nimmt dieses Thema so viel Raum ein. Raum, der eigentlich dafür gedacht war, mit Freude und Leichtigkeit gefüllt zu sein. Zum Beispiel mit dem Planen der nächsten Urlaubsreise, Auszeit beim Joggen, einer entspannten Badewanne oder dem ersehnten Telefonat mit einer Freundin, das einem schon immer so viel Kraft gespendet hat. Im Fazit: Diese Töpfe, die neue Kraft, Energie und Zuversicht für den Alltag liefern, weichen dem Stress und dem Beschäftigen mit dem Drama - Mit dem, was im Moment gar nicht läuft. Nun ist es leicht gesagt und geschrieben: „Ändere das einfach und gucke dir dieses stressige Thema nicht mehr an!“ Es geht ja schließlich um das eigene Kind und keine liebevolle Mutter und kein liebevoller Vater könnte mit authentischer Überzeugung sagen, dass es ihr oder ihm egal wäre, wie das Kind aus einer solchen herausfordernden Situation hinaus geht. Natürlich ist es einem als liebevolles Elternteil wichtig, sein Kind bestmöglich zu unterstützen und ihm ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Meine Erfahrung ist, dass es den allermeisten Müttern und Vätern hervorragend gelingt, ihrem Kind diese Sicherheit spüren zu lassen. Das, was es uns meist schwer macht, ist, dass wir uns selber dabei vergessen.

Dies ist eine Einladung, eine Einladung zu 5 (!) Minuten am Tag. Fülle sie mit dem, was dir Energie spendet. Nutze diese kleine Zeit, um nur bei dir zu sein und dich wahrzunehmen. Das kann eine heiße Dusche am Abend, ohne ständiges Kindergeschrei im Hintergrund, sein. Oder das bewusste Hören deines Lieblingsliedes, ein Kapitel in deinem Lieblingsbuch, der Sonnengruß in einem ruhigen Raum oder das Essen eines Stückchen Kuchens, das du auf keinen Fall teilen willst, weil es da nur für dich liegt. Es ist nachgewiesen, dass es viel mehr bringt, jeden Tag auch nur 5-10 Minuten für sich zu nutzen, als 2x2 Stunden die Woche. Du wirst erstaunt sein, wie viel Energie du aus diesen 5 Minuten ziehen kannst, wenn du sie dir wirklich schenkst. Ich wünsche allen Eltern, die sich in so einer Situation befinden, in der das Schulproblem des eigenen Kindes als immer größer werdend empfunden wird, sich für 5 Minuten wieder selbst zu spüren, sich wahrzunehmen und dieses Bewusstsein und die Energie in neue Ideen und Lösungswege mitzunehmen. Wir können unseren Kindern nur helfen, wenn wir selber gut für uns sorgen. Denn nur dann stehen wir sicher in unserer eigenen Kraft.

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