»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

04.05.2012

„Warum muss eigentlich alles immer SCHNELL gehen?“

„Wer schnell sein will, muss langsam gehen.“ – Vor kurzem hatte ich ein Seminar, nach dem ich über dieses Zitat lange nachdenken musste. Irgendwie ist das ja logisch: Wenn wir uns mehr Zeit nehmen, dann ist es auch möglich, alles genauer, mit mehr Ruhe und strukturierter durchzuführen.

Unter Zeitdruck funktioniert nur das Wenigste flüssig und mit Erfolg. Im Grunde genommen können wir nur automatisierte Abläufe auch unter Zeitdruck angemessen durchführen. Nur sind wir mal ehrlich, was ist denn wirklich automatisiert in unserem Leben? Vielleicht 5 Prozent der Tageszeit?! - Zum Beispiel das Autofahren zur Arbeit oder das Abwaschen des Geschirrs: Alle Dinge, die wir nicht automatisiert haben, erfordern unsere genaue Aufmerksamkeit. Wir sind dabei, es zu erlernen, und brauchen dafür zu aller Anfang erst einmal eine gute Portion Sicherheit. Denn vor allem Kinder können erst aus der Geborgenheit in ihrem Umfeld und der Sicherheit, dass sie dort richtig sind und geliebt werden, eine gewisse Neugierde entwickeln.

In ihrem eigenen Tempo kommen sie durch ihr Sicherheitsgefühl in den Zustand der Neugierde und erlernen dann Schritt für Schritt Dinge, bis sie auch in diesem Bereich wieder automatisiert und in dem Zustand der Sicherheit angekommen sind. Ab diesem Punkt geht der Kreis von vorne los und die Kinder entwickeln wieder Neugierde für etwas Neues, was ihr Interesse weckt.

Mit diesem Hintergrund ist es doch nur verständlich, dass das Wort „schnell“ für alle Kinder erst einmal ein Stopper in diesem Kreislauf bedeutet. Vielleicht reagiert das Kind damit, dass es sich zunächst einmal kontrolliert und wieder die Sicherheit in seinem System sucht. Es macht also durch dieses Reizwort zunächst einen Rückschritt im Kreislauf des Lernens. Mit diesem Wissen im Hinterkopf möchte ich Sie als Eltern ermutigen, jedem Kind den Freiraum zu lassen, seine Zeitspanne zu beanspruchen, die es zum Lernen braucht. Machen Sie dabei Ihrem Kind klar, dass es auch genauso „richtig“ ist. Denn zum Lernen braucht ein Kind vor allem auch Selbstsicherheit.

Noch eine kleine Anmerkung: Dieser Kreislauf des Lernens hat nichts mit dem Alter zu tun. Nicht nur Schulkinder lernen mit diesem Hintergrund, sondern auch Sie als Eltern. Was spricht also dagegen, mal einen Termin in der Woche zu verschieben?! – Es muss nicht immer alles „schnell“ gehen!

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