»Jedes Kind braucht einen Rahmen, in dem es individuell wirken kann.«

06.08.2012

Das integrierte Gehirn mit der Rhabarbermarmelade

Kennen Sie das auch? – Manchmal tun Sie Dinge völlig automatisch und sicher, doch plötzlich passiert etwas Unerwartetes: Sie sind aus der Bahn geworfen und können sich überhaupt nicht entscheiden, was in dieser Situation zu tun ist? Ein kleines Beispiel: Sie schreiben einen Text sicher und automatisch. Sie schreiben: „Liebe Tante. Gestern habe ich für euch Rhabar…….“ und auf einmal kommt da dieses komplizierte Wort, das Sie nicht ständig verwenden und Sie sich nicht sicher im Umgang damit fühlen: „…Rhabarbermarmelade“. Sie müssen nun einen Gang runter schalten und ganz organisiert an die Sache ran gehen, um danach eine Entscheidung zu treffen. „Integrierten“ Menschen fällt diese Umschaltung von „schnell und automatisiert“ zu „langsam und organisiert“ nicht schwer. Ist das Gehirn jedoch in einem desintegrierten Zustand, ist dieses flüssige Umschalten nicht ohne weiteres möglich und erfordert eine deutlich erhöhe Kraftanstrengung. Aber was ist dieses „Integrierte Gehirn“?

Das menschliche Gehirn besitzt zwei Hemisphären im Großgehirn. Die Logikhemisphäre, üblicherweise links, arbeitet sequentiell: Also Schritt für Schritt. Die Gestalthemisphäre, normalerweise rechts, arbeitet gleichzeitig, also simultan. Schreiben wir nun unsere Geschichte automatisiert und sicher, dann sind wir in diesem Moment im Gestaltgehirn („Liebe Tante. Gestern habe ich für euch ……“). Wir sind kreativ und haben Zugang zu unseren inneren Bildern und zu unserer Phantasie. Kommt dann aber plötzlich dieses Wort „Rhabarbermarmelade“, das wir nicht automatisch schreiben können, dann muss unsere Gehirn augenblicklich aus der Logikhemisphäre handeln. Dort achten wir auf die Details und entscheiden nach Beweisen, Fakten und brauchen eine Ordnung. Wir denken hier Schritt für Schritt, also sequentiell. Bei einem flüssigen Umschalten spricht man, im Brain Gym, von einem integrierten Gehirn. Das angemessene Reagieren auf eine bestimmte Situation ist hier ohne großartige Kraftanstrengung möglich. Ist die Kommunikation zwischen den Hemisphären blockiert, so macht der Vorgang des Umschaltens Probleme und wir werden völlig aus der Bahn geworfen. Das Gehirn ist nicht integriert.

Ich möchte hier nochmal betonen, dass sich so ein Vorgang nicht nur bei Schulkindern abspielen kann, sondern bei Menschen jeder Altersgruppe. In jeglichen Alltagssituationen ereignet sich dieser „Umschaltvorgang“ immer und ständig. Aus diesem Grund sind jegliche Brain-Gym-Übungen für alle Altersgruppen interessant und kann nicht nur das Lernen in der Schule erleichtern. Es lohnt sich also, sein Gehirn zu integrieren.

Als kleiner Tipp: Es reicht schon, kleine „Überkreuzbewegungen“ zu machen. Dafür stellen Sie sich hin und bewegen zuerst die linke Hand aufs rechte Knie zu. Dabei ziehen Sie das rechte Knie an und legen die linke Hand darauf ab. Danach machen Sie das Gleiche mit der rechten Hand und dem linken Knie. Diese Übung könnten Sie gar nicht ZU viel machen. Also immer und zwischendurch einfach einschieben und von einem trainierten Gehirn profitieren. Bei Fragen, Ideen und Feedback können Sie sich gerne bei mir melden.

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